Christentum und Islam – im Garten vereint

Gärten sind so alt wie die menschliche Zivilisation. Von Anfang an erfüllen sie Funktionen, die wir auch heute noch an ihnen schätzen: sie erfrischen Geist und Seele und sind nebenbei noch nützlich. Schon vor 5000 Jahren gab es in Ägypten nachweislich eine ausgebildete Gartenkultur. Im Spätmittelalter trafen maurische Weisheit und südeuropäische Grandezza aufeinander und schufen mit den Gärten der Alhambra im spanischen Granada ein unerreichtes kulturelles Erbe. Vor allem die Wasserspiele der Alhambra beflügelten fortan die Fantasie der Gartengestalter.

Auch in der Bepflanzung der Gärten war der Orient dem Abendland damals überlegen. Als Mitte des 16. Jahrhunderts die Tulpe, die Wappenblume der Osmanen nach Europa gelangte, hatten die Menschen hier überhaupt noch keine Beziehung dazu, Pflanzen allein zur Dekoration zu züchten. Die ersten Tulpenzwiebeln wurden daher als türkische Delikatessen verzehrt, der Rest angepflanzt. Als dann im Frühling die Tulpen ihre hier unbekannten Blüten empor reckten, verfielen auch in Westeuropa die Menschen dem Charme dieser Pflanze.

Alhambra

In einem waren sich Orient und Okzident sehr bald einig: Die Gärten dienten vor allem der Prachtentfaltung der weltlichen und sakralen Herrscher. In späteren Jahrhunderten gingen aus den Palastgärten die Schlossgärten hervor, so wie die alten Tempelgärten ihre Nachfolge in den Klostergärten fanden. Das ‚gemeine‘ Volk durfte damals höchstens auf einem kleinen Stück Land die nötigen Lebensmittel anbauen. Manchmal verirrte sich auch eine ‚Abfallpflanze‘ aus dem Herrengarten auf die bäuerliche Anlage.

Das änderte sich mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Bei einer aktiven Begegnung mit der Natur glaubten die Menschen zu sich finden zu können. Nicht nur der Adel, sondern auch das wohlhabende Bürgertum und später Menschen aller Schichten suchen Selbstverwirklichung im Garten. „Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz“, sagt Fürst Pückler, einer der größten Gartengestalter jener Zeit.

Fürst Pückler

Durch Bauten und mit ihnen thematisch verbundene Gartenanlagen wurde der Besucher oft in eine vergangene Zeit oder in ein entferntes Land versetzt. Fürst Pückler war seit seinen ausgedehnten Reisen zwischen 1834 bis 1840 vom Orient fasziniert, gestaltete so und kleidete sich orientalisch.

Gärten fremder Kulturen spielten eine große Rolle als ästhetische Vorbilder und Quellen der Inspiration. Eigenwillige Gartentypen entstanden wie etwa die Dschungelgärten im Mittelmeerraum, wo Globetrotter Pflanzenschätze aus der ganzen Welt zusammentrugen oder Gärten wie der Parco Scherrer am Luganer See, der André Heller Garten am Gardasee, die eine kosmopolitische Vorstellung aller Erdteile bieten.

Natürlich waren das damals wie heute in den seltensten Fällen stilreine etwa orientalische Anlagen. Die Gartengestalter folgten oft einem Motto, das Pippi Langstrumpf in dem gleichnamigen Kinderbuchklassiker so schön formuliert: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“ Die Menschen wollen im Garten ihre eigenen Träume leben und verwirklichen. Auch religiöse Themen werden dabei angesprochen. In vielen modernen Gärten sitzen deshalb allseits bewunderte Buddhas in in Blütenbeeten.

Am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich von England her eine außergewöhnliche Gartenarchitektur, die abendländische und orientalische Elemente miteinander verband. Gartenmoscheen werden gebaut. Eine der schönsten ist heute noch im Schwetzinger Schlossgarten zu sehen. Elemente im maurisch – islamischen Baustil sind hier vereint mit der Fantasie eines Märchens aus 1001 Nacht. Die Gartenmoschee hat eine typisch barocke Kuppel, dazu spitzbogige Fenster und Rundbogen Arkaden. Zwei Minarette schmücken die Seiten verziert mit Halbmonden. An den Decken und Wänden der Wandelgänge stehen deutsche Verse und Sprüche aus dem Koran.

Der türkische Garten südlich des Moscheehofes bezaubert besonders im Frühjahr, wenn die rosafarbenen Kirschblüten das neue Jahr begrüßen. Die Schwetzinger Gartenmoschee wurde nur sehr selten für Gottesdienste genutzt. Sie ist vor allem ein Sinnbild für Humanität und Toleranz. Hinweise auf unterschiedliche Religionen sollen den Besucher zum Nachdenken anregen.

 

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