japanische Gärten Azaleenblüte

Japanische Gärten

Wäre Gartenkunst eine olympische Disziplin, würde das Gastgeberland Japan in diesem Jahr sicherlich zahlreiche Medaillen gewinnen. Das Land ist Ostasien hat eine herausragende Gartenkultur, japanische Gärten faszinieren viele Menschen weltweit schon seit Langem.

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Keine Gartenkultur ist inniger mit der Natur verbunden als die japanische. Der Mensch fühlt sich hier nicht als Krönung der Schöpfung sondern als Teil der Natur, eingebunden in den Kosmos, jedem Wesen gleich nah. Die japanische Gartenkunst ist vom Verständnis des Zen-Buddhismus kaum abzutrennen. Begriffe wie Einfachheit, Abstraktion, Symbolik und Tradition treten in den Vordergrund.

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Die fernöstliche Gartenkunst  bildet mit Kiesflächen, Steinen und Formgehölzen Landschaften im Kleinformat nach. Die Gartengestalter Japans spielen als Künstler mit den verschiedenen Elementen: Steinen, Gewässern, Moosen und immergrünen Pflanzen, Symbole der Unvergänglichkeit der Natur. Das Spektrum reicht vom einfachen Sandgarten mit wenigen Hügeln bis zur üppigen Anlage, die bewusst die Landschaft in ihrer Essenz darstellt. Der Garten, selbst die Handlungen im Garten wie das Rechen des Kieses, das Beschneiden der Büsche und Bäume werden Teil des religiösen Kultus.

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Was macht einen japanischen Garten aus?

Ein japanischer Garten strahlt geheimnisvolle Ruhe und zugleich Schönheit aus, ist in seiner Komposition und Raumgliederung wie ein Gemälde gestaltet. Er spielt in Grüntönen, ist ein Ort der Formen und Schatten und trägt zur inneren Entspannung des Besuchers bei.

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Vor allem mit kugelig geschnittenen Bäumen und Sträuchern und nur gezielt eingesetzten blühenden Pflanzen entsteht ein Landschaftsbild, das sich wie ein dreidimensionales Gemälde nicht mehr verändern soll. Nur im Frühling bei der Blüte der Azaleen, Magnolien und Zierkirschen, später bei der Hortensien-, Edelpäonien- und Chrysanthemenblüte, im Herbst bei der Laubfärbung der Ahornbäume dominieren leuchtende Farben.

In ihren Ausmaßen haben sich die japanischen Gärten im Laufe der Zeit stark verändert. Im 7. Jahrhundert waren sie als großflächige Lustgärten konzipiert und konnten von ihren adligen Besitzern im Boot durchfahren werden. Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelte sich dann der platzsparende minimalistische Stil. Das für Japaner so bedeutsame Wasser- als Meer, Fluss, Teich oder Wasserfall konnte hier mit weißem Sand oder Kies dargestellt werden. Wichtig auch der zentrale kosmische Berg und die Vision eines Paradieses mit einer Insel der Seligen.

japanisches Bambusrohr und Pagode

Kraniche, die Symbole der Unsterblichkeit schmücken viele Gärten ebenso steinerne Lampen oder Pagoden und ein steinernes Trinkbecken für die Vögel. Vogelgezwitscher sollte zu hören sein und der Wind, der durch die Bambuswindspiele bläst, das zarte Plätschern des Shishiodoshis, eines Bambusrohrs, das sich mit Wasser füllt und mit leisem Echo auf einen Stein tropfend entleert.

Japanische Gärten findet man nicht nur in Japan, sondern weltweit, viele auch in Europa. Man findet sie in Botanischen Gärten, Schlossgärten, Parks… Hier eine Aufstellung japanischer Gärten in Deutschland. Auch zahlreiche Privatgärten sind im japanischen Stil gestaltet. Dabei geht uns heute daher weniger um die Realisierung eines traditionellen japanischen Gartens, als um die Verwirklichung eines Traums, der Gestaltung einer grünen, dem lauten und hektischen Alltag entrückten Insel im Gleichklang mit der Natur.

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Die ausgewogene Komposition und die sinnreiche Nutzung relativ kleiner Flächen wird heute in Europa an diesen Gärten bewundert. Selbst auf Terrassen, dem Balkon kann man sich so einen immerschönen Garten anlegen. Das Interesse an asiatischen Gartenformen wächst auch mit der Entwicklung der modernen Architektur, die einen starken Wert auf eine Synthese von Haus und Garten legt.

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Japanischer Garten Gestaltungsideen

Mit der asiatischen Gartenkultur verbinden wir ganz bestimmte Vorstellungen. Wir denken an die Kunst des Steinsetzens und die Anlage von Kiesbeeten. Wege aus Trittsteinplatten sind charakteristisch für japanische Gärten. Steinerne Kraniche, Pagoden, Buddhafiguren, natürlich die vielen Pflanzen aus Fernost wie Chrysanthemen, Bambus, Zierkirschen… haben längst Einzug in unsere Gärten gehalten.

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Wasser als Symbol der Ruhe und Bewegung ist als Spiegel des Himmels unverzichtbar. Beeindruckend sind Teiche mit niedrigen Brücken und Trittsteinen, herrliche Wasserfälle, die über mächtige Steine herabstürzen oder Wasserlandschaften mit Teichen, in denen sich Kois tummeln. Wer nur wenig Raum zur Verfügung hat, kann auch mit einem Schöpfgefäß die Symbolkraft des Wassers einsetzen.

Lediglich die Demutshaltung gegenüber der Natur, aus der die Asiaten Kraft schöpfen, ist uns Europäern normalerweise fremd. Je mehr Natur jedoch in der heutigen Zeit zerstört wird, umso mehr müssen wir versuchen, den Geist einzufangen, der von den asiatischen Gärten ausgeht: die Harmonie, die Besinnlichkeit, die Einfachheit – oder auch die Stimmung von Freude und Glück. Wir müssen lernen – und sei es auf nur wenigen Quadratmetern – eine Ruhe-Oase zu gewinnen, um dort im Gleichklang mit der Natur Stress abzubauen, die Hektik des Alltags auszuklammern und zu vergessen.

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