Landhausgarten - charmant und romantisch 1

Landhausgarten – charmant und romantisch

Verschwenderische Blütenfülle, bunte Beete voll knackigem Gemüse und aromatisch duftenden Kräutern, ein lauschiger Sitzplatz unter einem alten Apfelbaum – kein anderer Gartentyp ruft in uns so zahlreiche Vorstellungen von paradiesischen Zuständen hervor wie der Landhausgarten.

Das Leben auf dem Lande ist interessanter als je zuvor. Die Sehnsucht nach dem Wahren, Schönen und Unverfälschten lässt in der Gartengestaltung neue Ideen erblühen. Längst ist aus dem ländlichen Garten von einst ein moderner Trend geworden. In Zeiten, in denen der eigene Garten immer mehr als Rückzugsort und Oase begriffen wird, nimmt er eine besondere Stellung ein.

Landhausgarten

In der Natur können wir dem stressigen Alltag mit all seinen Belastungen entfliehen, durchatmen und wieder zu uns selbst finden. Der direkte Weg zur Natur führt über das bewusste Wahrnehmen der Jahreszeiten, das Auf und Ab von Temperatur und Sonnenlicht, Wachstums- und Ruhephasen, über Buddeln und Werkeln, aber auch über Träumen und Entspannen.

Landhausgarten

Die intensive Begegnung mit der Natur fördert unser Wohlbefinden. Jede Jahreszeit zeigt ihr eigenes Gesicht, bringt besondere Erzeugnisse hervor – ein ursprünglicher Rhythmus, der in einer höheren Ordnung verankert ist. Von den Stimmungen des Landlebens lassen wir uns gern inspirieren, Heim und Garten abwechslungsreich mit rustikaler Gemütlichkeit auszustatten.

Der alte Bauerngarten ist die wichtigste Wurzel des heutigen Landhausgarten. Die Liebe zur Pflanze, zur üppigen Vegetation haben beide gemeinsam. Die ideale Symbiose von Schönem, Nützlichem, Gesundem, Sinnvollem bei kleinstmöglichem Aufwand ist es, was die ländlichen Gärten jetzt so faszinierend zeitlos erscheinen lässt. Schließlich mussten diese Gärten über Jahrhunderte hinweg nicht nur einen Großteil der Nahrungsmittel für die ganze Familie liefern, sondern nebenbei auch noch die Apotheke und den Blumenladen ersetzen.

Landhausgarten

Nichts im Bauerngarten war deshalb zufällig oder überflüssig: Die typische Flächenaufteilung mit dem Wegekreuz nach dem Vorbild mittelalterlicher Klostergärten, ist rationell, sorgt für kürzeste Wege. Die Einfassung mit Buchs schützt vor Schnecken und Wind, verhindert das Wegschwemmen der Erde. Die Mischkultur reduziert den Schädlingsbefall, schont den Boden, garantiert eine bestmögliche Ausnutzung des Platzes.

Bereits zur Zeit Karls des Großen kannte man 73 Gemüsearten, Kräuter und Heilpflanzen ebenso 16 verschiedene Obst- und Nussbäume. Viele von ihnen bilden auch heute noch die Grundausstattung des bäuerlichen Gartens. Bei einer solchen Artenvielfalt war es nicht verwunderlich, dass es auf den Beeten meist recht kunterbunt zuging. Wo gerade ein Plätzchen frei war, wurde gesät und gepflanzt – ob Kräuter, Gemüse oder Blumen, ganz egal.

Landhausgarten

Spannend ist die Sache von jenem Moment an, wenn die Samen in die Erde fallen. Was wird daraus? Pflanzen mit eigener Hand großzuziehen und sie auf allen Stationen ihres Lebens zu begleiten, das verbindet. Man lernt sie näher kennen, ihre Freundschaften und Feindseligkeiten. So merkt man, dass Erbsen nicht unmittelbar neben Bohnen, Salat nicht zusammen mit Petersilie ausgesät werden dürfen. Auch Tomaten und Kartoffeln vertragen sich nicht. Andere Gemüsearten fördern sich gegenseitig. So sollten z. B. Sellerie, Porree und Bohnen, Bohnenkraut und Rettich miteinander angepflanzt werden.

Die Bäuerinnen fühlten Verantwortung für ihre Umgebung, es wurde sparsam gedüngt, genau auf den Nahrungsbedarf der Pflanzen geachtet. Gift blieb im Schrank.
Man wählte stets robuste und pflegeleichte Pflanzen aus, um die man sich nicht viel kümmern musste. Schafsgarbe, Eisenhut, Frauenmantel, Akelei, Aster, Glockenblume, Tränendes Herz, Mädesüß, Nachtviole, Lupine, Küchenschelle, Aurikeln, Veilchen…und wie sie alle heißen, gehören dazu.

Andererseits waren die Bäuerinnen von jeher darauf bedacht, neue Gemüsearten, Blumen und Methoden auszuprobieren, wenn es Vorteile brachte. Anregungen gaben die Parks und Gärten der Schlösser und der vornehmen Bürgerhäuser, in denen Pflanzenschätze aus fernen Ländern natürlich zuerst kultiviert wurden. Was sich dabei bewährte, bekam im ländlichen Garten ‚freien Einzug‘. Was sich als zu empfindlich erwies, verschwand bald wieder von den Beeten.

Landhausgarten

Aus diesem Grund konnte der ländliche Garten auch zu keiner Zeit altmodisch sein. Ergebnis des fortwährenden Ausleseprozesses sind Anlagen voll romantischer Schönheit. Wir spüren auch im Innersten die natürliche Kraft und Vitalität dieser so ungemein klar durchdachten, vielseitigen, aber niemals verschwenderischen Gartenform. Alles hat dort einen ökonomischen und ökologischen Sinn.

Der Landhausgarten hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Er wurde beeinflusst von dem englischen Cottage-Garten, der durch ein ‚harmonisches Durcheinander‘ von Farben und Pflanzen, einer zwanglosen Fülle auf engstem Raum besticht. Die edlere Variante, die Country- Gärten sind exklusive, repräsentative Anlagen mit prachtvollen Blumenrabatten, weiten Rasen- und Wiesenflächen, großzügigen Wegen. Sie dienten schon immer ausschließlich der Erholung.

Landhausgarten

Natürlich hat die neue Zeit Einfluss auf den Landhausgarten genommen. Da die Menschen sich am liebsten den ganzen Tag draußen aufhalten, kann es gar nicht genug Sitzplätze im Garten geben. Für die Mußestunden sollten Plätze zum Träumen an den schönsten Ecken des Gartens reserviert sein: unter einer Pergola, in einer lauschigen Laube oder zwischen bunten Blütenwolken auf einer verschwiegenen Bank. Selbst moderne Techniken wie Computer gesteuerte automatische Bewässerung halten, wenn auch etwas versteckt, Einzug in die ländlichen Gärten.

Gartenbrunnen

Mauern, Zäune, Tore, Brunnen sind auf jeden Fall mit heimischen Materialien auszuführen. Eingefriedet wird der ländliche Garten meist mit Holzzäunen, seien es Latten-, Staketen-, Weidenflechtzäune. Ziegelsteine, Klinker, Sandsteine mit ihren erdigen Tönen sind die traditionsreichen Bodenbeläge. Stilvolle Brunnen sorgen für die Bewässerung. Die dekorativen Dinge haben oft noch eine Funktion – als Spaliere, Rankstäbe, Rosenbögen, Beeteinfassungen und Schlauchführungen. Alte Gießkannen, Werkzeuge lehnen wie zufällig an einer Bank.

Ländliches Ambiente lässt sich mit diesen Gestaltungsmitteln fast überall verbreiten: im hektargroßen Garten auf dem Land, im Einfamilien- oder Reihenhausgarten in der Stadt. Selbst auf dem Balkon, im Innenhof kann man mit etwas Sichtschutz gegen die nüchterne Umgebung ländliche Atmosphäre schaffen.

 

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