Traumgärten – exotisch inspiriert

Traumgärten – exotisch inspiriert

Fremde Kulturen haben die Europäer schon immer interessiert. Im Spätmittelalter trafen maurische Weisheit und südeuropäische Grandezza aufeinander und schufen mit den Gärten der Alhambra im spanischen Granada ein unerreichtes kulturelles Erbe. Seit Marco Polo hat es immer wieder Asien-Wellen gegeben, durch die asiatische Pflanzen, Gartenstile und Philosophien nach Europa getragen wurden. In den formalen Gärten des frühen 18. Jahrhunderts finden sich bereits chinesische Bauten oder chinoise Ideen.

Park von Sanssoucii
Chinesisches Teehaus im Park von Schloß Sanssouci

Asiatische Pflanzen wie der Strauchhibiskus, die Glyzine, Samthortensie, das Mandelbäumchen, die Zaubernuss, Catalpa, Kolkwitzie, Tiger – und Königslilien, mediterrane Gewächse wie Olivenbäume, Zypressen und Lavendel…. sind schon längst bei uns heimisch geworden. Die Gartenstile fremder Kulturen werden ehrfürchtig bestaunt und vielfach übernommen.

Hibiscus

Feng Shui, die Jahrtausende alte chinesische Kunst, Lebensräume harmonisch zu gestalten, um Glück, Wohlstand und Gesundheit zu erlangen, hält Einzug in unsere Gärten. Auch fremde Gartentechniken werden nachgeahmt, etwa die des kunstvollen Steinsetzens, der Anlage von Kiesbeeten, Teichen mit niedrigen Brücken und Trittsteinen.

In der Aufklärung des 18. Jahrhunderts spielen Gärten anderer Kulturen eine große Rolle als ästhetische Vorbilder und Quelle der Inspiration. Bei einer aktiven Begegnung mit der Natur glauben die Menschen zu sich finden zu können. Nicht nur der Adel sondern auch das wohlhabende Bürgertum und später Menschen aller Schichten suchen Selbstverwirklichung im Garten. „Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz“, sagt Fürst Pückler, einer der größten Gartengestalter jener Zeit.

Eigenwillige Gartentypen entstehen. Alles, was den Menschen gut und teuer ist, wird in den Gärten zusammengetragen. Das können Pflanzenschätze aus aller Welt sein, die Globetrotter in den bizarren Dschungelgärten im Mittelmeerraum anhäufen.

Parco Scherrer
Parco Scherrer

Das kann auch ein Sammelsurium von Statuen verschiedener Epochen und Erdteile sein, wie im berühmten Monte Palace Tropical Garden in Madeira oder im Parco Scherrer am Luganer See. Eine „Musterkollektion von Weltgegenden“, einen Paradiesgarten, in dem die Pflanzen aller Weltteile gastieren, nennt André Heller heute seinen faszinierenden Garten am westlichen Ufer des Gardasees.

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Die Medien, vor allem der weltweite Reiseverkehr ermöglichen es jetzt, dass viele Menschen sich selbst ein Bild von den Schönheiten, auch den Gärten der Welt machen können. Gartenfestivals und Shows geben ein umfassendes Bild von den Trends. Der Horizont der Menschen ist sozusagen umfassender geworden. Auch die Auseinandersetzung mit anderen Kulturkreisen und ihren Künsten geht jetzt weiter.

Andererseits betrachten – will man den Trendforschern glauben – heute eine wachsende Zahl von Menschen Reisen in ferne Länder als zu gefährlich. Die Globetrotter haben von früheren Touren Gartenideen und Souvenirs aus aller Welt in ihre Heimat mitgenommen und wollen dort ihre Gartenträume verwirklichen.

Garten asiatisch inspriert
Garten asiatisch inspriert

Ausgefallenes Lackmobiliar und Bambusmöbel, typisch japanische oder chinesische Keramikgefäße, Bambuskörbe, Steinlaternen, umkränzte Buddha – Figuren schmücken nun die Gärten. Dabei verselbständigen sich die Stile, führen ins Reich der Fantasie. Es wird nun weniger wichtig, einen Stil originalgetreu nachzuahmen, viel bedeutender ist die gestalterische Originalität.

Natürlich muss man sich fragen, was an einem bestimmten Land und seiner Gartenkunst uns fasziniert. Welche Erinnerungen, welche Emotionen verbinden wir damit, was ist an ihnen so wichtig, dass sie sich im Garten wiederfinden sollen? Suchen wir die Farbenpracht, die Geselligkeit, die Leichtigkeit des Seins, die südliche Gärten bieten?

Begeistert uns die überbordende Fülle, die Lebenskraft, die aus tropischen Gärten spricht oder die Bewegung, Grazie, der Überlebenswillen der Steppengärten? Fasziniert uns die Disziplin, die Demutshaltung gegenüber der Natur, die asiatischen Anlagen ausdrücken? Oder möchten wir gar alles zusammen?

Schließlich kommt es darauf an, diese Emotionen zu visualisieren. Das ist schwierig, erfordert Mut, Experimentierfreude und Stilsicherheit, gegebenenfalls fachkundige Beratung. Sich mit fremden Stilelementen zu schmücken, den eigenen Garten völlig anders zu gestalten, ist immer ein Zeichen deutlich sichtbarer Abgrenzung, wirksamer Ausdruck der Individualität. Wer sich beispielsweise für einen tropischen Hausgarten entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er dann nicht wirklich ein Stück tropischer Fauna besitzt, sondern seine sehr persönliche Deutung gestaltet hat.

Traumgarten

Manche Schwierigkeiten mit tropischen oder mediterranen Pflanzen mussten die Liebhaber fremder Gärten in unserem rauen Klima bewältigen. Etliche der exotischen Pflanzen wie etwa die Yuccas, Hanfpalmen, Wollmispeln… erwiesen sich aber in milderen Gegenden bei günstigem Kleinklima durchaus als winterhart. In raueren Lagen prägten Gräser in jeder Größe, vor allem Bambus und die auffälligen großen Blattstauden wie die Gunnera das Bild der exotischen Gärten.

Dahlien und Cannas, die für einen Blütenrausch im Sommer sorgen, können als Wurzelstock im Haus überwintert werden, die Japanische Faser-Banane kappt man beim ersten Frost und schützt die Wurzel mit Torf und Noppenfolie. Größere Palmen werden bei Temperaturen unter -10 Grad mit Schilfmatten und Jutesäcken umwickelt. Ansonsten kann man auch einjährige Pflanzen, die in ihrer ursprünglichen Heimat Tropenschönheiten sind, ebenso Kübelpflanzen zur Gestaltung der exotischen und mediterranen Gärten einsetzen.

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