Cimbrone

Italienischer Gartentraum – Villa Cimbrone

Die Geschichte der Gartenkunst ist gekennzeichnet durch die sich ständig wandelnde Beziehung des Menschen zur Natur. Die Sehnsucht des Einzelnen nach seinem Traum vom Paradies, seine Furcht vor der realen Natur und der Wunsch eben diese Natur zu beherrschen, sind die treibenden Kräfte.

Villen und Gärten gehören in Italien untrennbar zusammen. Kaum ein anderes europäisches Land hat so viele Garten- und Villentypen im Lauf der Jahrhunderte hervorgebracht und verfeinert, wie das Land am Stiefel. Im Mittelalter galt der Garten hier als Ort meditativer Einkehr, des Gebets. Später wurden in die Gärten der Adligen und Klöster auch Obst-, Kräuter- und Gemüsebeete integriert.

Die Kreuzritter brachten bei ihrer Heimkehr aus maurischen und anderen arabischen Ländern nicht nur Blumen und Sträucher, sondern auch ganz neue Gartenideen mit. In Süditalien trug der Kontakt zu Byzanz und zu sarazenischen Völkern – mit denen man teils Handel betrieb, sich teils auch heftig befehdete – zu einem multikulturellen Gartenverständnis bei.

Villa Cimbrone Ravello

Die letzte ganz unblutige Eroberung der großen Villen und Gärten Italiens erfolgte durch meist englische Globetrotter, die im britischen Empire wohlhabend geworden waren. Auch Söhne englischer Adelsfamilien wurden nach Italien geschickt, um sich den letzten Schliff anzueignen. Die Ländereien Süditaliens waren nach der Hochblüte der Gegend im 12. Jahrhundert immer billiger geworden, da das Gebiet permanent verarmte. Zum anderen übte die multikulturelle Vergangenheit, die soviel gelebtes Leben, soviel kulturelle Tiefe zu Tage treten ließ, eine geheimnisvolle Faszination auf die friedlichen Eroberer aus.

Die Natur hat den Menschen am Golf von Salerno in Süditalien nicht viel Platz gelasssen. Wo das Wasser endet, beginnen die steil aufragenden Berge. Mühselig machten die Küstenbewohner im Lauf der Jahrhunderte Zentimeter für Zentimeter der kargen Hänge urbar. Auf den steilen Abhängen an der Küste verherrlicht die Natur den Sieg der typischen Mittelmeervegetation. Die klassische Macchia besteht aus wild durcheinander wuchernden Stauden und Büschen, die Wildschhweinen und Niederwild eine Heimat geben

Hier kann man die hohen Blüten der Agaven bewundern, die blattreichen Kronen der Johannisbrotbäume. Auf dem grünen Hintergrund fallen die lebhaften Farben der Bougainvillen auf und das Rot und Orange der reifen Kaktusfeigen. Die Zitronen sind die berühmtesten Pflanzen der Küste, mühsam auf steilen Terrassen kultiviert. Die Früchte erreichen eine ungewöhnliche Größe und einen besonderen Wohlgeruch.

Villa Cimbrone Ravello

Hoch über diesen pittoresken Gärten und Kleinplantagen liegen in dem Bergstädtchen Ravello zwei malerische Villen und ihre außergewöhnlichen Gärten. Seit dem 19. Jahrhundert sind sie das Lieblingsziel der „Grand Tour“,der Bildungs- und Vergnügungsreise internationaler Künstler und Intelektueller. In Ravello haben sich Richard Wagner, Longfellow, André Gide, Bernstein, Strawinsky, Toscaninni…. aufgehalten und sind dem Charme dieses Ortes erlegen.

Es ist auch interessant, dass sich Greta Garbo auf einer ihrer Liebesfluchten, die die Regenbogenpresse um 1930 begeisterte, sich ausgerechnet in Ravello „versteckte“. Berühmte Filme u.a. mit Humphrey Bogarth wurden in dieser Traumkulisse gedreht.

Entscheidend verhalf Richard Wagner Ravello zu internationaler Berühmtheit. Er kam auf einem Eselstroß mit großem Gefolge angeritten, logierte im besten Hotel und vergaß später die Rechnng zu bezahlen. Dafür machte er den Garten der Villa Rufolo in Ravello unsterblich. Beim Anblick der Anlage rief er begeistert:“ Endlich habe ich den verzauberten Garten von Klingsor gefunden.“

Wagner war damals in einer Schaffenskrise und bekam durch die Gärtender Villa Rufolo die Inspirationen zum zweiten Akt des Parzifal, der einen wichtigen Platz in der deutschen Kultur und Phantasie des 20. Jahrhunderts einnimmt. Auch Hermann Hesse und andere griffen darauf zurück.

Die Wagner- Tradition wird heute durch sommerliche Konzerte im Garten der Villa Rufolo aufrecht erhalten. Dabei scheint das Orchester, das auf einer hölzernen Terrasse sitzt, zu schweben, dem Himmel und dem tiefblauen Mittelmeeer – wie André Gide sagen würde – gleich nah.

Die Villa Rufolo wurde 1881 von Francis Neville Reid erworben und nach dem alten Vorbild aus dem 13. Jahrhundert rekonstruiert. Sie ist heute ein Gesamtkunstwerk aus byzantinischer und sizilianischer Architektur mit maurischen Kreuzgängen. Der Garten erscheint teils üppig wild, teils sterng geometrisch. Das Schönste ist der Blick von den hängenden Terrassen über die traumhafte Weite des Golfs von Salerno.

Villa Cimbrone Ravello

Am Südrand von Ravello liegt die Villa Cimbrone auf einem Felsvorsprung. Ein Palast wie ein Märchenschloß, hinter dem sich eine gigantische Parkanlage ausbreitet. Palmen, Hortensien, Begonien, Limonenbäumchen, Glyzinien, Cercis siliquastris bestimmen die grazile Atmosphäre. Der Engländer Ernest William Becket erwarb 1904 den verfallenen Palast aus dem 14. Jahrhundert und ließ ihn völlig umbauen. Ansatzweise benutzte er die ursprünglichen Architekturstile, die römischen, byzantinischen und sarazenischen. So entstand ein zwar nicht stilreines Anwesen, doch die Inkarnation allen mediterranen Zaubers.

Becket litt zu Beginn der Restaurierung unter schweren Depressionen, von denen er später völlig befreit war. Die große Sichtachse durch den Garten ist wie ein Symbol seiner Gesundung. Man geht durch mit Glyzinien bewachsene schattige Laubengänge auf einen dorischen Tempel zu mit dem Standbild der Göttin Cerces. Dahinter schimmert Licht. Wenn man vom Tempel auf die anschließende Terrasse der Unendlichkeit tritt, verschlägt es einem zunächst die Sprache. So berauschend ist der Ausblick: ein Panorama, durchdrungen von sämtlichen Blau – Facetten auf die steile Küste und die romantischen Orte. Der Weitblick reicht bis Salerno, abgesteckt durch die marmonen Häupter griechischer Göttinnen. Die Villa Cimbrone ist ein Ort zum Innehalten, zum Staunen und Träumen. Ein Ort, um die Einzigartigkeit spürbar zu erleben.

Villa Cimbrone Ravello

Berühmte Zeitgenossen wie Winston Churchill, Greta Garbo, D.H. Lawrence, der seine liebeshungrige Lady Chatterley hier ihre Amouren erleben ließ, haben diese Einzigartigkeit empfunden. Auch die unzähligen Besucher, die heute noch täglich kommen, werden von dem geheimnisvollen Zauber erfasst.

Zurück bleibt für alle die drängende Frage, ob man mit sicherem Stilempfinden doch durchaus außerhalb aller gängigen Konventionen nicht auch so einen einmaligen, ganz persönlichen Garten wagen sollte.

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